Hassans Geschichte ist eine, um die sich so mancher Drehbuchautor reißen würde. Es ist eine Geschichte, die von einem Mann erzählt, dem fast alles genommen wurde und der sich alles wieder aufbauen musste. Wie er das geschafft hat? Es ist eine Mischung aus unerschütterlichem Glauben an sich und guten Entscheidungen. Eine dieser Entscheidungen war der Entschluss, am Digital Campus Vorarlberg programmieren zu lernen.

Hassan Zaynn bei Doppelmayr
Es ist 2012. Der Krieg in Syrien tobt und Hassan bleibt nichts anderes übrig, als mit seinen Eltern und seinen sechs Geschwistern zu fliehen. Die erste Station führt die Familie nach Dubai. „Eigentlich war es dort ok, aber wir sind sieben Kinder und in Dubai sind die Schulkosten enorm hoch. Das war finanziell einfach schwierig, obwohl mein Vater als Grafikdesigner gearbeitet hat“, erzählt Hassan. In seiner Stimme liegt kein Kummer, sondern Akzeptanz. Man merkt schnell, er ist einer von denen, die nach vorne schauen.
Hassan setzt sich auf das Fensterbrett im Besprechungsraum „Asien“, ein Meeting-Raum im Hauptgebäude der Firma Doppelmayr. Dort hat er vor ein paar Monaten als Lösungsarchitekt angefangen zu arbeiten. Was das genau ist, erklärt er uns später.
„In Dubai haben wir dann beschlossen, nach Europa zu gehen. Denn Bildung war für meine Eltern schon immer sehr wichtig.“
In Österreich gibt es die Chance, alle Kinder in die Schule zu schicken. Dort angekommen, kann Hassan überall einsteigen: Englisch, Mathe, Biologie – kein Problem. Nur die Sprache, die muss er erst einmal lernen. Eine Lehre bei Hilti folgt auf Wunsch der Eltern. Etwas Anständiges werden. „Das war nichts für mich“, sagt Hassan und grinst. Dass er jetzt beim Weltmarktführer im Seilbahnbau arbeitet, also etwas sehr Anständiges macht, verraten wir ihm nicht.

Nach dem Fehlstart mit der Lehre setzt sich Hassan mit der neuen Welt der Kryptowährungen auseinander. Das funktioniert gut, aber der eigentliche Traum klopft immer lauter an die Tür: Der Vater Grafikdesigner, der Bruder Data Scientist – für Hassan ist klar, dass er früher oder später Softwareentwickler werden möchte.
„Es war gar nicht so einfach, etwas in Vorarlberg zu finden. Der Vollzeitkurs Software Developer:in war eigentlich meine einzige Möglichkeit, schnell und vor Ort mit dem Programmieren anzufangen.“
Hassan belegt den Kurs und macht Fortschritte. Neben den Basics in den verschiedenen Programmiersprachen wie Python und JavaScript, lernt er vor allem eines: Dranbleiben. Laut Hassan ginge es nicht nur um das Programmieren an sich, sondern um die Denkweise dahinter. Von seinen Trainern Gyula und Lukas lernt er schnell, dass viele Wege nach Rom führen, aber nur einer in die IT. „Man darf nicht beim Programmieren stehen bleiben, sondern muss auch im echten Leben nach Lösungen suchen.“ Gegen Ende des Kurses schickt Hassan deshalb mit Unterstützung seiner Trainer die ersten Bewerbungen raus. Nicht immer passt es. Hassans Ansprüche an seine Arbeitgeber sind hoch. Erst bei einer freien Stelle bei der Firma Doppelmayr wird er hellhörig. Die Stelle klingt interessant, die Bezahlung stimmt. Hassan bewirbt sich und bekommt den Job: „Es ist unglaublich wie viel Vertrauen und Motivation mir mein Chef entgegengebracht hat.“

Dieser Chef sitzt mit uns auf der Dachterrasse der Firm Doppelmayr. Genau zwei Minuten hat er Zeit. Diese Minuten füllt er mit Lob.
„Es braucht Menschen wie Hassan, die ihre Ausbildung und ihren Weg selbst in die Hand nehmen. Hassan hat hier schon vieles Gutes bewirkt.“
Wir wechseln in das neue Großraumbüro. Am höhenverstellbaren Desk steht Hassen, ein Headset am Ohr. Seine Aufgabe im Team ist es, die Arbeitsplätze seiner Kolleginnen zu „Digital Workplaces“ zu machen, sprich, digitale Arbeitsplätze einzuführen. „Wir sind ein Unternehmen, das mit der Zeit geht. Und wir nehmen dir Digitalisierung ernst“, erklärt Hassan. Programmieren muss er im Moment nicht, kann aber sein Grundverständnis für die neue Aufgabe gut nutzen. Hassan wirkt so, als ob er sich sehr wohl fühlt. Aber wir wissen, es wird nicht seine letzte Station bleiben.
Sein neues Ziel: Den Chef überzeugen, dass er nach seinem befristeten Arbeitsvertrag dauerhaft bei Doppelmayr bleiben darf. Und am Ende doch noch ein paar Zeilen Code schreiben.